Ein unschlagbares Team in der Kita Waldhaus


Von Ines Hübner

Corona hat den Kita-Alltag komplett auf den Kopf gestellt. Wie das Erzieher-Team die Zeit ohne Kinder und die Notbetreuung erlebte, davon erzählt unsere Kollegin aus der Kita Waldhaus in Bad Liebenwerda.

Seit mittlerweile sechs Wochen leben wir, wie alle anderen, mit „Corona“. Natürlich ist diese Situation für alle Beteiligten nicht schön und wir hoffen sehr, dass bald wieder die „richtige“ Normalität eintritt, aber wir haben bis jetzt die Zeit sehr intensiv genutzt.

Als die Schließung der Kitas angeordnet wurde, waren wir im ersten Moment alle geschockt. Aber dieser Zustand war nur von kurzer Dauer. Gemeinsam mit dem ganzen Team der Kita Waldhaus in Bad Liebenwerda haben wir einen Aktionsplan erstellt, Prioritäten gesetzt und entschieden, was, wer, wann und wie, trotz Notbetreuung, erledigen kann. Sie glauben nicht, welche Kreativität und Ideen die Mitarbeiter*innen entwickelt haben.

   

Es war schön, so etwas als Leitung miterleben zu dürfen. Alle haben mit angepackt: Da mussten 96 Fenster geputzt werden, Stühle, Tische, Spielzeug gesäubert und desinfiziert werden, Schränke und Matten aus- und abgewischt werden. Die Küche wurde gründlich gereinigt, der Sportraum neu sortiert und entrümpelt. Das Einrichtungskonzept ist überarbeitet und gemeinsam mit den zwei ausgebildeten Praktikantenanleiterinnen haben wir ein Ausbildungskonzept für angehende Erzieher*innen und Sozialassistenten*innen geschrieben (den größeren Anteil daran hatten natürlich die zwei MA). Die Portfolios der Kinder wurden vervollständigt und Beobachtungsbögen bearbeitet.

Als die Innenarbeiten soweit erledigt waren, ging es nach draußen. Auf unserem große Außengelände gibt es immer etwas zu tun. Wir haben Grünpflanzen und Blumen versetzt, ein neues Kräuterbeet angelegt, Blumenzwiebeln für eine Blumenwiese gesteckt, geharkt, gekehrt, gestrichen, neuen Rasen gesät. Da unser Konzept sehr umweltbewusst (z. B. Müllvermeidung, Verzicht auf Plastik) und naturverbunden ausgerichtet ist, haben wir einen neuen Komposthaufen angelegt. Die Kinder lernen dadurch, wie aus organischen Küchenabfällen, Unkraut, Laub und Rasenschnitt neue Erde entsteht. Und wir sind noch nicht am Ziel. Denn wir möchten für die Kinder noch eine Taststrecke aus Naturmaterialien anlegen.

   

Wir waren also nicht untätig und haben die Zeit sinnvoll genutzt. Wir stehen in regelmäßigen Austausch untereinander, denn es kommt immer noch die eine oder andere konstruktive Idee. Zum Beispiel hat eine Ü60-Mitarbeiterin neue Kissenbezüge aus „wiedergefundenen“ Stoffbeständen genäht, in der letzten Woche nähte sie Masken.

So leistet jede(r) Mitarbeiter*in einen Beitrag in der Krise - egal ob bei der Kinderbetreuung, beim Nähen, beim Abwaschen, beim Putzen oder beim Gärtnern. Unser fleißiger Hausmeister hat super tolle Kisten für den Sportraum gebaut und mit Rollen versehen, die nun auch durchs ganze Haus gefahren werden können. Er schraubt Regale an, dreht da und dort eine Schraube ein, mäht den Rasen. Er ist für unser Haus einfach unersetzlich.

Ja, es ist viel passiert in den letzten Wochen. Wir freuen uns über die Lockerungen für die Notbetreuung. Somit haben wieder mehr Kinder die Chance in kleinen Gruppen am sozialen Leben teilzunehmen. Die Umsetzung in unserem Haus klappt hervorragend, jede Erzieherin betreut stets dieselben Kinder. Durch unser großes Außengelände funktioniert auch der Aufenthalt im Freien recht gut.

Zum Schluss möchte ich noch eines erwähnen: In Zeiten wie diesen, wird uns einmal mehr bewusst, wie wichtig unsere Arbeit in der Gesellschaft ist. Im Moment können wir leider nicht für alle Kinder da sein und wir merken, wie sehr sie uns für unsere tägliche Arbeit fehlen. Natürlich sind auch mal ganz kleine Gruppen über einen gewissen Zeitraum schön, aber die Kinder vermissen ihre Freunde und die Erzieherinnen „ihre“ Kinder. Mir sind in diesen Tagen und Wochen viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Wie sehr ich mit diesem Haus verbunden bin, wie sehr ich es liebe, dort zu arbeiten, was für ein wunderbares Team ich habe, was für tolle Kinder und Eltern in diesem Haus ein- und ausgehen. Ich habe ein großes Wandtattoo in einem unserer Flure angebracht. Es soll eine Wertschätzung gegenüber „unseren“ Kindern sein, die wir über diesen Schriftzug zum Ausdruck bringen möchten.

Ich möchte mich von ganzem Herzen bei all meinen Mitarbeiterinnen und dem Hausmeister bedanken, für die Unterstützung, die Umsetzung, die Gespräche, die hervorragende Zusammenarbeit und die tolle Arbeit, die sie täglich leisten. Ohne sie wäre das „Waldhaus“ nicht das, was es geworden ist: ein Ort der Freude, des Lachens, des Spielens, des Lernens, der Ruhe, der Natur.

Es gibt auch in diesen schwierigen Zeiten Positives zu berichten. Das habe ich hiermit getan. Uns geht es allen sehr gut, wir sind und bleiben optimistisch.