Konflikte mit und unter Kindern

So gehen Sie mit Streitereien in der Familie um


Konflikte gehören zum Familienalltag dazu. Anlässe dazu finden sich meist ausreichend und erscheinen in vielen Fällen zunächst banal. Streit unter Geschwistern, Aufräumen, Hausaufgaben, Essen – Konflikte mit Kindern sind allgegenwärtig. Die Art und Weise, wie Sie kleine und größere Streitsituationen in der Familie lösen, ist dabei entscheidend. Eine wertschätzende und gute Streitkultur in der Familie ist unsagbar wichtig.

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Das Testen von Grenzen und die damit einhergehenden Reaktionen von Eltern gehören zum Lernprozess von Kindern dazu. Dabei erfährt Ihr Kind seinen eigenen Wirkungsgrad, lotet seine Position aus und findet bestenfalls mit Ihnen gemeinsame Lösungen. Selbst wenn Sie keine Einigung erzielen, wird Ihr Kind die Erfahrung machen, dass es trotz unterschiedlicher Haltungen auf eines zählen kann: auf die Zuneigung und Liebe seiner Eltern trotz unterschiedlicher Standpunkte. Konfliktsituationen werden meist mit den Menschen ausgetragen, denen man besonders nahe steht. Klar, dass sich Geschwister und Eltern dafür ganz besonders eignen.

Gar nicht so einfach, dabei stets die Nerven zu behalten, dem Kind offen und zugewandt gegenüberzutreten, wenn die eigenen Nerven gerade stark beansprucht sind. Wie begegnen Sie den Konflikten mit Kindern? Wie die Nerven behalten, wenn das eigene Nervenkostüm selbst stark angekratzt scheint? Sollte man sich bei seinem Kind entschuldigen, wenn ihm Unrecht getan wurde? Wie Grenzen setzen, gerade jetzt, wenn die häusliche Situation selbst so stark fordert.

Sorgen und Nöte von Kindern

Wenn die Kleinen die Erfahrung machen, dass sie selbstwirksam werden und ein trennbarer Teil ihrer Eltern, werden Wünsche und Bedürfnisse geweckt. Diese müssen nicht immer einhergehen mit den Vorstellungen ihrer Eltern. Ihr Kind im Alter ab etwa eineinhalb Jahren versucht als eigenständiges Wesen seinen Ideen nachzukommen und stößt damit auch an seine Grenzen. Denn nicht all seine Vorstellungen werden mit Ihren übereinstimmen. Versuchen Sie im Alltag auch jüngeren Kindern Erfahrungen von Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. Die Entscheidungsspielräume Ihres Kindes können dabei klein sein. Wichtig ist, dass jüngere Kinder die Erfahrungen machen, mitbestimmen zu können. Sie fördern mit diesem Vorgehen die Kooperation Ihres Kindes; viele „Stolpersteine“ lassen sich im Alltag damit schon im Voraus beseite räumen.

Sie wissen Ihr Kind tut sich schwer mit dem Aufräumen? Schlagen Sie eine Brücke und verhandeln Sie nicht das Aufräumen an sich, sondern geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit in der Situation des Aufräumens mitzuentscheiden: „Mama fängt schon mal an die Bausteine aufzuräumen, welches Spielzeug räumst du weg?“ Nicht alle Konflikte lassen sich auf diese Weise lösen. Vereinbarungen, dass es heute bspw. nichts Süßes mehr geben wird, können nicht stets neu verhandelt werden. Sollte ihr Kind protestieren und wütend werden, versuchen Sie ihm mit Ruhe, Zeit und Gelassenheit zu begegnen. Auf Ihr Kind einzureden in Situationen, in denen es seinen Unmut lautstark bekannt gibt, hilft dann meist nur wenig. Mit zunehmenden Sprachverständnis und -erwerb verstehen Kinder Regeln und Zusammenhänger besser und nutzen diese auch, um zu verhandeln. Kurze und prägnante Begründungen beim Ausführen des Konfliktes mit Ihrem Kind sind oftmals hilfreicher als Dauerdiskussionen. Bleiben Sie klar in der Formulierung Ihres Anliegens. Ihr Kind möchte noch länger auf dem Spielplatz bleiben? Es wird sich in Verhandlungsversuchen große Mühe geben. Um Diskussion zu vermeiden, bietet das Fragen nach seinen Vorstellungen eine Alternative: „Wie oft möchtest du noch rutschen? Gut, nach dreimal Rutschen gehen wir.“ Natürlich räumen Sie Ihrem Kind in diesem Moment einen Zeitbonus ein. Dennoch hat es das Gefühl, auf die Situation des Verabschiedens vom Spielplatz Einfluss nehmen zu können, und schafft die Trennung dadurch besser. Nach dreimal Rutschen sollten Sie dann auf jeden Fall gehen. Ihr Kind muss merken, dass Ihr Wort Gewicht hat und Sie nicht zu manipulieren sind.

Neben den Verhandlungsversuchen von Kindern sind sie oftmals auch Meister des „Ausspielens“. Die Phase des „Ausspielens“ braucht Sie nicht sonderlich zu alarmieren, sie gehört zum Erproben unterschiedlicher Verhandlungsstrategien dazu. Angetrieben wird ihr Kind dabei von der Hoffnung, mit dem jeweilig anderen Elternteil zu einer besseren Lösung zu kommen. Einigen Sie sich mit Ihrer/m Erziehungspartner/in auf ein gemeinsames Vorgehen. So lässt sich diese Phase schnell überwinden. Neben diesen Durchsetzungsstrategien wird Ihr Kind möglicherweise auch von Schimpfwörtern häufiger Gebrauch machen. „Doofe Mama“ sind Worte, die Ihr Kind nicht wortwörtlich meint. Manchmal liegt die beste Lösung darin, dem Schimpfwort keine Beachtung zu schenken. Sollte Ihr Kind davon häufiger Gebrauch machen, gehen Sie kurz darauf ein: „Ich habe deine Worte gehört, du bist enttäuscht, dennoch werden wir jetzt den Fernseher abschalten.“ Bleiben Sie im Handeln konsequent, sonst werden Sie von Ihrem Kind langfristig nicht ernst genommen.

Wenn Kinder streiten...

Die Kinder streiten sich und Sie möchten den Streit schnellstmöglich beenden? Bei Streit unter Kindern die Vermittlerrolle einzunehmen geht meist schnell, hilft den Kindern jedoch nicht dabei, richtig streiten zu lernen. Kinder lernen in Konfliktsituationen Grenzen zu ziehen, sich selbst zu erleben, ihr Gegenüber zu respektieren oder ihre Gefühle auszudrücken. Streit fördert das Sozialverhalten von Kindern!

Eltern sollten bei Streit unter den Kindern versuchen, passiv am Geschehen teilzunehmen. Heißt: Behalten Sie die Situation im Auge, aber intervenieren Sie nicht! Klar einschreiten sollten Sie erst dann, wenn der Streit eskaliert und es zu Handgreiflichkeiten kommt. Erinnern Sie an vereinbarte Regeln im Streit und zeigen Sie Ideen auf, lösen Sie jedoch nicht den Konflikt für die Kinder. Beim Beilegen von Streitigkeiten sind die Strategien der Kinder sehr unterschiedlich: den Streit einfach beenden und zur Tagesordnung übergehen, sich entschuldigen, nachgeben oder eine gemeinsame Lösung finden.