Am 20. November 2025 fand unser diesjähriger Kinderschutzfachtag statt, der unter dem Motto „Schutz für Kinder und Jugendliche“ stand. Ziel des Tages war es, Verantwortung, Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten im Kinderschutz zu beleuchten und die Fachkräfte unserer Einrichtungen zu stärken. Niels Spellbrink und Franziska Schot eröffneten die Veranstaltung mit einer Einführung, in der sie die Situation in den Einrichtungen des IBs darstellten und die Verantwortung aller Beteiligten betonten. Dabei wurde deutlich, dass Kinderschutz eine gemeinsame Aufgabe ist, die sowohl die Geschäftsführung und die Leitung der Einrichtungen als auch jede einzelne Mitarbeiterin und jeden einzelnen Mitarbeiter betrifft. Es ging darum, die internen Strukturen, präventiven Maßnahmen und die Verfahren im Umgang mit Kinderschutzfällen zu verstehen, um im Ernstfall angemessen reagieren zu können.
Den Auftakt der Fachvorträge machte Prof. Dr. Martin Wazlawik. Er erläuterte die strukturellen Rahmenbedingungen, aktuelle Forschungsergebnisse und die Perspektiven für die Praxis. Dabei wurde deutlich, dass Kinderschutz unterschiedliche Kategorien umfasst, die jeweils eigene rechtliche Grundlagen und fachliche Anforderungen haben. Zum einen geht es um den Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung, bei dem pädagogische Fachkräfte wissen müssen, wie sie vorgehen, wenn sie Hinweise auf Gefährdung im Elternhaus oder innerhalb der Einrichtung erhalten. Zum anderen betrifft es den institutionellen Kinderschutz, der sicherstellt, dass Kinder wissen, wo sie Hilfe finden, sollten sie Opfer von Gewalt werden. Schließlich ist auch der Schutz vor Übergriffen unter Jugendlichen ein wichtiger Bereich, der unterschiedliche Verfahren, pädagogische Ansätze und rechtliche Konsequenzen je nach Kontext erfordert. Besonders betont wurde, dass das Recht auf gewaltfreie Erziehung in Deutschland erst seit dem Jahr 2000 besteht und dass Vernachlässigung nach aktuellen Statistiken die häufigste Form von Kindeswohlgefährdung darstellt. Sexuelle Gewalt hingegen ist am schwersten nachvollziehbar, weshalb Schutzkonzepte in Einrichtungen im Alltag angewendet werden müssen. Jede Einrichtung sollte sowohl Schutz- als auch Kompensationsraum sein, in dem Mitarbeitende qualitativ hochwertige Hilfe leisten können, da statistisch in jeder Einrichtung Kinder mit entsprechenden Erfahrungen vorhanden sind.
Im zweiten Vortrag thematisierte Herr Dr. phil. Arne Dekker sexualisierte Gewalt im digitalen Raum. Er zeigte auf, dass insbesondere Plattformen wie Instagram und TikTok zunehmend Orte sexueller Belästigung sind und dass sowohl Übergriffe zwischen Gleichaltrigen als auch von Erwachsenen stattfinden. Online-Grooming und die Gefahr der ständigen Konfrontation der Betroffenen mit Nacktbildern durch die Verbreitung im Netz stellen ein erhebliches Risiko dar. Ein besonders aktuelles Problem sind KI-generierte Bilder, wie sogenannte Deepfakes oder Deep Nudes, die die Schutzaufgaben der Einrichtungen zusätzlich erschweren.
Neben den Vorträgen boten praxisorientierte Workshops die Möglichkeit, sich intensiver mit zentralen Themen auseinanderzusetzen. In einem Workshop stand die Kommunikation im Kinderschutz im Mittelpunkt. Hier wurde erarbeitet, wie Fachkräfte Gespräche mit Betroffenen oder Kolleginnen und Kollegen führen können, welche Rahmenbedingungen dafür nötig sind und welche emotionalen Reaktionen solche Gespräche auslösen können. Ein weiterer Workshop befasste sich mit Kultursensibilität im Kinderschutz und der besonderen Situation von Familien mit Flucht- oder Migrationsgeschichte. Es ging darum, diese Familien zu verstehen, Vertrauen aufzubauen und sie zu stärken, auch wenn die eigenen Erfahrungen als Fachkraft nicht vergleichbar sind. Schließlich erläuterte eine Ärztin der Kinderschutzambulanz der Charité Berlin in einem Workshop, wie Verletzungen und Kindeswohlgefährdung richtig eingeschätzt werden, wann gehandelt werden muss und welche Schritte medizinisch und rechtlich erforderlich sind.
Der Kinderschutzfachtag 2025 hat eindrücklich gezeigt, dass Kinderschutz eine gemeinschaftliche Aufgabe ist, die präventive Maßnahmen, fundierte Strukturen und kompetente Fachkräfte erfordert. Die Veranstaltung machte deutlich, dass sowohl digitale Risiken als auch kulturelle Sensibilität zentrale Aspekte der Arbeit in unseren Einrichtungen sind und dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen nur durch eine gut informierte, verantwortungsbewusste Fachcommunity gewährleistet werden kann.