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Wohnungslosenhilfe

Wohnungslosigkeit in Berlin – eine soziale Krise, die weiter wächst

Ein Schlüssel der in einem Schloss einer geöffneten Wohnungstür steckt

In Berlin leben weiterhin Zehntausende Menschen ohne gesicherten Wohnraum. Am 31. Januar 2025 waren 53.610 Menschen im System der Wohnungsnotfallhilfe untergebracht, also in Wohnheimen, Trägerwohnungen oder Notübernachtungen. Dazu kommen rund 6.000 Menschen ohne jegliche Unterkunft, die tatsächlich auf der Straße oder in provisorischen Behelfsunterkünften leben. Zusätzlich sind etwa 2.364 Menschen verdeckt wohnungslos, das heißt sie schlafen vorübergehend bei Freund*innen oder Angehörigen, ohne eigenen Wohnsitz zu haben.

Was bedeutet eigentlich „wohnungslos“ und „obdachlos“? Diese Begriffe fallen im Alltag oft durcheinander – obwohl sie unterschiedliche Lebenslagen bezeichnen:

  • Wohnungslos sind Menschen, die keinen selbständigen, angemieteten Wohnraum haben. Das umfasst sowohl Personen, die auf der Straße leben, als auch Menschen in Notunterkünften, Übergangswohnungen oder bei Bekannten.
  • Obdachlos sind diejenigen, die keine Unterkunft in einem Schutzraum (z. B. Notübernachtung) haben und daher tatsächlich im Freien, in Parkanlagen oder Unterführungen schlafen müssen. 

Beide Gruppen sind von sozialer Unsicherheit, Armut und gesundheitlichen Risiken betroffen, aber gerade obdachlose Menschen stehen tagtäglich ohne Schutz da.

Unsere Sicht: Menschen brauchen mehr als nur ein Dach – sie brauchen Unterstützung

Wir erleben täglich die Konsequenzen dieser prekären Lebenssituationen. Viele Menschen, die zu uns kommen, haben lange schwierige Lebenswege hinter sich: Arbeitslosigkeit, psychische Belastungen, gesundheitliche Einschränkungen, traumatische Erlebnisse. Ein Bett oder eine Notunterkunft allein reicht hier nicht aus.

Viele private Anbieter bieten bestenfalls einfache Schlafplätze, aber keine qualifizierte soziale Begleitung. Diese Einrichtungen sind zwar formal Teil des Angebots, aber sie kümmern sich oft nicht angemessen um die komplexen Bedürfnisse der Betroffenen. Ohne ambulante soziale Arbeit, Beratung, Gesundheitsversorgung und Integrationsunterstützung bleiben die Menschen in Armut und Perspektivlosigkeit gefangen. Studien zeigen, dass über 90 % der wohnungslosen Menschen soziale Unterstützung benötigen, um dauerhaft stabil in einer Wohnung leben zu können. (Diese Zahl basiert auf mehrfachen Analysen der Trägerverbände, sozialwissenschaftlicher Forschung und Einschätzungen aus der Wohlfahrtsarbeit. Eine präzise offizielle Quote für Berlin 2025 liegt nicht frei verfügbar vor, aber Expert*innen betonen regelmäßig hohe Unterstützungsbedarfe.)

Unsere Angebote: Notunterkünfte, ambulante Hilfen sowie Kälte- und Hitzehilfe 

Wir verbinden Unterbringung konsequent mit qualifizierter sozialer Begleitung. Unsere Einrichtungen sind keine reinen Schlafplätze, sondern Schutzräume mit Perspektive. In unseren Aufnahmewohnheimen, Übergangshäusern, Kriseneinrichtungen und dezentralen Wohnangeboten in mehreren Berliner Bezirken unterstützen wir Menschen in akuten Notlagen. Sozialpädagogische Fachkräfte begleiten bei Behördenangelegenheiten, Leistungsansprüchen, Schuldenregulierung, Gesundheitsfragen und der Suche nach eigenem Wohnraum. Ziel ist es, Stabilität zu schaffen und den Weg zurück in selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen.

Mit unseren ambulanten Hilfen setzen wir frühzeitig an. Wir unterstützen Menschen, deren Wohnung gefährdet ist, helfen bei Miet- und Energieschulden, sichern Einkommen und begleiten bei der Wohnungssuche. Prävention ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit – jede verhinderte Räumung verhindert neue Wohnungslosigkeit.

Besonders deutlich wird die existenzielle Dimension von Wohnungslosigkeit bei extremen Wetterlagen. Im Winter kann das Leben auf der Straße innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich werden. Mit unseren Standorten der Kältehilfe bieten wir in den kalten Monaten geschützte Schlafplätze. Dabei geht es nicht nur um eine warme Nacht, sondern um Ansprache, Stabilisierung und die Vermittlung weiterführender Hilfen. Kältehilfe ist Überlebensschutz – und oft der erste Schritt zurück in ein Hilfesystem.

Im Sommer wird die Gefahr durch extreme Hitze häufig unterschätzt. Aufgeheizte Straßen können für Menschen ohne Schutzraum lebensgefährlich sein. 2022 gehörte die Hitzehilfe Schöneberg zu den ersten Projekten dieser Art in Berlin – ein Pilotprojekt mit klarer sozialpolitischer Haltung.

Gerade in Zeiten extremer Wetterlagen zeigt sich, wie unverzichtbar niedrigschwellige Schutzräume und verlässliche soziale Infrastruktur sind – doch kurzfristige Hilfsangebote allein werden die strukturellen Ursachen von Wohnungslosigkeit nicht lösen

Politisches Ziel: Wohnungslosigkeit bis 2030 beenden – aber ohne Konzept keine Umsetzung

Bund, Länder und auch die EU haben sich auf das politische Ziel geeinigt, die Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland bis zum Jahr 2030 zu überwinden. Ein nationaler Aktionsplan wurde verabschiedet, der genau diese Zielsetzung verfolgt. In Berlin wurde für dieses Ziel bereits vor Jahren ein Masterplan diskutiert, der sowohl präventive Maßnahmen als auch nachhaltige Versorgungs- und Unterstützungsstrukturen beinhalten sollte.

Doch die Realität sieht anders aus: Die Zahlen steigen weiter, das Unterbringungssystem ist überlastet, und soziale Hilfen werden oft nicht mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet. Wie viele anderen Expert*innen und Verbände kritisieren auch wir, dass der Anspruch, Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beenden, ohne ausreichende politische Maßnahmen und strukturelle Investitionen nicht erreichbar ist.