Wenn Stefan Fritsche den Schlüssel in das Schloss seiner Wohnungstür steckt, ist das kein alltäglicher Handgriff. Nach zwei schweren Schicksalsschlägen und einem zweieinhalbjährigen Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt schien sein Leben gegen die Wand gefahren zu sein. Doch Fritsche blieb nicht am Boden liegen. Er begann zu kämpfen. Zum 1. August bezog der Brandenburger seine erste eigene Wohnung. Den entscheidenden Rückhalt und professionelle Leitplanken auf dem steinigen Weg zurück ins Leben fand er bei der der Wohn- und Eingliederungshilfe des Internationalen Bunds (IB) in Brandenburg an der Havel.
Wer dem 32-Jährigen heute zuhört, kann die emotionalen Schmerzen kaum erahnen, die dem glühenden Fußballfan jahrelang zugesetzt haben. Fritsche sitzt da – klar, reflektiert, den Blick fest nach vorne gerichtet. Auf die Vergangenheit schaut er heute mit großem Abstand: auf den schmerzhaften Bruch mit seiner Mutter, den Verlust seines Großvaters und seines ungeborenen Kindes, das Scheitern einer Beziehung. Wo manche stark bleiben können, verlor Stefan Fritsche den Halt. „Ich habe 24/7 Alkohol getrunken“, gesteht er rückblickend. Es folgte eine Abwärtsspirale mit falschen Entscheidungen, mit schwerwiegenden Fehlern und einem harten Aufprall in der Realität: einer erheblichen Gefängnisstrafe.
Statt in der Zelle zu verbittern, krempelte er die Ärmel hoch.
„Wer Scheiße baut, muss dafür geradestehen.“
Dieser Satz wurde sein innerer Kompass. Fritsche nutzte die Zeit hinter Gittern als harte, aber für ihn notwendige Schule. Er ging in Therapie, nahm an einem sozialen Kompetenztraining teil und lernte über das Zürcher Ressourcen-Modell, wie man sich eigene Ziele setzt – und sie vor allem auch erreicht. Als der Tag der Entlassung näher rückte, griff das Entlassungsmanagement der Justizvollzugsanstalt. Dessen Mitarbeitende öffneten ihm die Tür nach draußen und bauten die Brücke zur Wohn- und Eingliederungshilfe des IB in Brandenburg an der Havel.
Seit Juli 2025 erhalten dort Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten oder mit Behinderungen Hilfe in der Alltagsbewältigung, der Sicherung ihrer materiellen Grundlagen oder der Umsetzung einer beruflichen Perspektive. Das Portfolio der Leistungen ist groß und variiert je nach Besonderheiten des Einzelfalls. Zehn bis 27 Fachleistungsstunden stehen für die Unterstützung zur Verfügung. Das Hauptziel ist der Bezug einer eigenen Wohnung.
Das hat Stefan Fritsche inzwischen erreicht. Nachdem er vorübergehend in einer von aktuell sechs Trägerwohnungen des IB untergekommen war, bezog er vor einem guten Monat seine erste eigene Wohnung. Einrichtungsgegenstände besorgte er sich über eine lokale Möbelbörse, eine Küche war bereits vorhanden und inzwischen fühlt er sich richtig heimisch. Es ist nicht der einzige Lichtblick: Auch der tiefe Graben zu seiner Mutter konnte komplett zugeschüttet werden. Die Beziehung zu ihr ist inzwischen besser denn je. „Sie ist meine beste Freundin und sehr stolz auf mich“, erzählt er glücklich.
Die eigenen vier Wände und die Stabilität im Privaten sind für den 32-Jährigen das Fundament für sein neues Leben. Schritt für Schritt will er sich auch beruflich etwas aufbauen und im Garten-/ Landschaftsbau arbeiten. Wer an seinem Willen zweifelt, kennt seine eiserne Disziplin nicht: „Wenn ich etwas haben will, kämpfe ich“, stellt er unmissverständlich klar.
Dass er heute wieder mit diesem unerschütterlichen Optimismus in die Zukunft blicken kann, vergisst er den Menschen nicht, die an seiner Seite standen.
Er ist dem IB zutiefst dankbar:
Hier habe ich immer ein offenes Ohr gefunden und meine Betreuer haben mir viel geholfen.
Stefan Fritsche hat bewiesen, dass ein Wendepunkt im Leben möglich ist – Schritt für Schritt, mit starker Unterstützung und dem unbedingten Willen, niemals aufzugeben.